Verkehr der „Wipperliese” im Mansfelder Land bis 2028 gesichert

Verkehr der „Wipperliese” im Mansfelder Land bis 2028 gesichert

Written on 19.08.2021


Mitte Juli 2021 unterzeichnete der Landkreis Mansfeld-Südharz einen Vertrag mit dem Aufgabenträger Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (Nasa) über den Verkehr der Lokalbahn „Wipperliese“. „Damit ist der Betrieb dieses Wahrzeichens unserer Region bis 2028 gesichert“, freuen sich gegenüber dem bahn manager die Geschäftsführer der Betreiberin Kreisbahn Mansfelder Land (KML), Gerhard und Oliver Kellner.

Die etwa 20 Kilometer lange Bahnlinie im Wipper-Tal wurde am 20. Dezember 1920 in Betrieb genommen. Sie führt von Klostermansfeld über Mansfeld und Vatterode nach Wippra. Die Orte in der alten Bergbauregion liegen abseits von Hauptstraßen. So ist die Wipper-Bahn wichtig, um die Region in Klostermansfeld an die Bahnstrecke Erfurt-Magdeburg und somit an die „weite Welt“ des Bahn-Fernverkehrs anzuschließen. Nach dem Zusammenschluss der Deutschen Reichsbahn mit der Deutschen Bundesbahn wurde die Strecke vernachlässigt, die Reisendenzahlen gingen zurück. 1996 übernahm die neu gegründete KML im Auftrag der Deutschen Bahn AG den Güterverkehr und 1997 auch den Personenverkehr. Beflügelt durch einen Zweistundentakt stiegen die Fahrgastzahlen bereits im ersten Geschäftsjahr auf das Achtfache. Zum Einsatz kommen bis heute modernisierte Esslinger Triebwagen. Diese sind inzwischen mit der Zugsicherungstechnik PZB und modernem Zugbahnfunk ausgerüstet.

1998/1999 erhielt der Oberbau der Strecke eine vollständige Sanierung, Haltepunkte wurden modernisiert oder neu errichtet. Dennoch wurde der Güterverkehr Ende 2001 eingestellt und der Personenverkehr durch den Aufgabenträger des Landes NASA zum 13. April 2015 abbestellt. DB Netz als Verwalter der Infrastruktur befand, drei Brücken auf der Strecke seien nicht mehr befahrbar, eine eventuelle Sanierung würde eine siebenmonatige Streckensperrung notwendig machen. Doch dann pachtete der örtliche Verein Manfelder Bergwerksbahn MBB die Strecke von DB Netz, und diese legte fest, für Gelegenheitsfahrten seien die Brücken doch noch nutzbar. Seither führt die KML auf Basis eines bis 2022 laufenden Vertrags mit finanzieller Unterstützung seitens des Landes zwischen Klostermansfeld und Wippra Ausflugsverkehr durch – „samstags, sonntags und an jedem ersten und dritten Mittwoch“, erklärt Geschäftsführer Gerhard Kellner. Seit zwei Jahren ist Besteller des Verkehrs der Landkreis im Auftrag der NASA.

Interessiert sich die Politik für die landschaftlich reizvolle Wipperliese? „Zur Unterzeichnung des Folgevertrags bis 2028 mit NASA-Geschäftsführer Peter Panitz und Landrätin Dr. Angelika Klein hatten wir am 14. Juli den Verkehrsminister unseres Landes Thomas Webel am Bahnhof zu Besuch“, lobt KML-Geschäftsführer Kellner. Noch 2014 hatte Webel namens der CDU/SPD-Landesregierung die Einstellung des Verkehrs verteidigt. Es gäbe zu wenig Nachfrage, und Bahnverkehr sei fünfmal teurer als der Betrieb einer entsprechenden Buslinie. Jetzt erklärte der Minister bei der Vertragsunterzeichnung: „Das Land Sachsen-Anhalt wird diesen attraktiven touristischen Bahnverkehr im Mansfelder Land weiter finanzieren. Damit schaffen wir Planungssicherheit für den langfristigen Erhalt der Strecke. Der zuverlässige Zugverkehr und die stabilen Fahrgastzahlen zeigen, dass sich das Engagement der Akteure vor Ort, des Landkreises und der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt gelohnt haben und weiter lohnen werden“, so der Minister.

Auch ohne Berufspendler und Schulverkehr trafen die Ausflugsfahrten stabil auf etwa 160 interessierte Fahrgäste je Fahrtag. Aufgrund der Pandemie seien es derzeit verständlicherweise weniger Personen, sagt Gerhard Kellner: „Zu einem Ausflug gehört ja auch der Besuch von Gastronomien, doch die waren zeitweilig geschlossen. Danach muss ja auch erst wieder Personal für einen solchen saisonalen Betrieb gefunden werden, doch das wird sich einpendeln. Wie beliebt die Wipperliese ist, zeigte eine Unterschriftensammlung, bei der sich 14.000 Personen aus der Region für das Fortbestehen aussprachen. Die Unterschriften wurden dem Ministerpräsidenten an der Pförtnerloge übergeben.“      

Auch Landrätin Angelika Klein nahm bei der Unterzeichnung des neuen Vertrags auf die Unterstützung der Bahnstrecke in der Bevölkerung Bezug: „Diese Botschaft ist beim Land angekommen, und ich bin dankbar, dass das Land diesem Wunsch entsprochen hat. Ich bin sehr zufrieden, dass auf der traditionsreichen Strecke weiterhin Züge fahren werden und wir allen Bürgerinnen und Bürgern und allen Touristen ein Angebot auf der Schiene unterbreiten können." Der Ausflugsverkehr wird zwischen Ostern und Oktober angeboten. Besonders gut besucht werden in Klostermansfeld sicherlich zwei anstehende Highlights sein: das Bahnhofsfest am 25. und 26. September sowie die Dampflokfahrt am 2. Oktober auf der ebenfalls vom Verein MBB betriebenen 750-Millimeter-spurigen Schmalspurbahn. (red./mv/hfs)