VPI/UIP: Das Klima braucht mehr Schienengüterverkehr – die Wagenhalter liefern

Written on 27.06.2019
Dennis Peizert


Wie bringen wir mehr Verkehr auf die Schiene – und das europaweit? Auf dem Politischen Symposium des Keepers’ Summit diskutierten heute Experten aus Branche und Politik, wie der Anteil des umweltfreundlichen Verkehrsträgers erhöht werden kann.

VPI und der europäische Dachverband der Wagenhalter UIP hatten nach Berlin geladen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen für die Herausforderung einer europäischen Verkehrswende hin zu klimaschonendem Gütertransport. „Die europäischen Wagenhalter investieren massiv in innovative, digitalisierte Wagenflotten, die sich in moderne Logistikketten einbinden“, erläuterte Dr. Heiko Fischer, UIP-Vorsitzender und CEO der VTG AG den Beitrag der Wagenhalter für eine starke Schiene in seinem Impulsreferat.

250 Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, sich aus erster Hand über Strategien der Politik für eine Stärkung des Schienengüterverkehrs zu informieren.
„Eine deutliche Verschiebung des Modal Split zugunsten des Schienengüterverkehrs ist realisierbar. Voraussetzung hierfür: Zusätzlich zum bereits geplanten Infrastrukturausbau muss auch die Infrastrukturkapazität gesteigert werden, etwa durch ETCS Signaltechnik und 740-Meter-Züge. Ebenso wichtig: Die kontinuierliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Sektors. Das BMVI arbeitet aktiv an diesem ambitionierten Ziel und legt großen Wert auf die zügige Umsetzung des Masterplans Schienengüterverkehr“,
betonte Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Aus Sicht der Europäischen Kommission unterstrich Elisabeth Werner, Direktorin Landestransport bei der Generaldirektion Mobilität und Verkehr: „Das 4. Eisenbahnpaket wird den Schienengüterverkehr in Europa entscheidend voranbringen: Ein einheitliches Regelwerk in der EU und automatische Radiokommunikation zwischen Zügen und Infrastruktur ermöglichen ungehinderte Fahrt über Grenzen hinweg.“

Die anschließende Podiumsdiskussion nahm den Faden auf und machte deutlich, dass europäische Lösungen gerade für den grenzübergreifenden Schienengüterverkehr unabdingbar sind. Dies gelte beim Thema Lärmminderung ebenso wie für einheitliche technische Standards im Feld der Digitalisierung. Branche und Politik waren sich einig, dass die Klimaschutzziele im Verkehrssektor nur mit einem konkurrenzfähigen, wirtschaftlichen Schienengüterverkehr zu erreichen sind. Die Branchenvertreter verwiesen auf die Anstrengungen der Unternehmen, durch Innovation und Automatisierung für mehr Effizienz zu sorgen, und auf das positive Engagement der Europäischen Kommission, die 71 Prozent der CEF-Fördermittel zu Gunsten der Eisenbahn einsetzt. Sie forderten die Politik auf, das Bestreben auch auf nationaler Ebene mit entsprechenden Mitteln für Forschung, aber vor allem auch für die reale Migration von Innovationen zu unterstützen. Konkret erwarten sie von der Bundesregierung, dass das überfällige Bundesprogramm „Zukunft Schienengüterverkehr“ mit den nötigen Haushaltsmitteln ausgestattet wird. Von der EU mahnten sie an, die noch ungenügende Koordination der nationalen Masterpläne voranzutreiben und forderten die Entwicklung einer konsequenten europäischen Strategie für den Schienengüterverkehr.

Im Vorfeld des Keepers’ Summit war der VPI zu seiner jährlichen Mitgliederversammlung zusammengekommen. Die Delegierten entlasteten den Vorsitzenden Malte Lawrenz und wählten Johann Feindert, CEO der GATX Rail Europe, zum stellvertretenden Vorsitzenden. Als neues Beiratsmitglied wurde Dr. Franz Merath, Head of Supply Chain Management bei Evonic, aufgenommen.

Im Anschluss an den Keepers’ Summit kamen die Gäste zum mittlerweile fest etablierten abendlichen „Get Togehter“ zusammen: dieses Jahr im Berliner Wasserwerk und wie immer bei hochsommerlichen Temperaturen.

Heute bietet der VPI dem Fachpublikum mit der 20. Technischen Informationsveranstaltung (TIV) ein Update zu den Entwicklungen des vergangenen Jahres. 11 Referenten beleuchten Themenfelder, die von den Vorgaben des Vierten Eisenbahnpakts über Digitalisierung und Datenaustausch bis hin zur Interaktion von Rad und Bremsklotzsohlen reichen. (red/VPI)

Bild: Malte Lawrenz, Vorsitzender VPI