VOSSLOH: THIELE-FAMILIENSTIFTUNG GEPLANT. ŠKODA: HENNIGSDORF WIRD WOHL NICHT CHINESISCH

Written on 06.04.2021
Hermann F. Schmidtendorf


Am 23. Februar 2021 verstarb der Ankeraktionär des Bahntechnologie-Konzerns Vossloh Heinz Hermann Thiele, am 27. März 2021 fand der reichste Tscheche und Eigentümer des Bahnfahrzeugherstellers Škoda den Tod. In beiden Fällen stellte sich die Frage: Wie geht es weiter?

Der Unternehmer Thiele hatte sich bis zuletzt auch tatkräftig in die Alltags- und Strategiefragen der Vossloh AG eingebracht. Daher sorgte die Pressemitteilung für Erleichterung, der zufolge die Familie Thiele über eine geplante Familienstiftung auch künftig als Hauptaktionärin von Vossloh im Unternehmen engagiert bleiben wird. „Die Familie hat Vossloh darüber in Kenntnis gesetzt, dass die von Herrn Thiele über Holdinggesellschaften gehaltene Beteiligung an Vossloh gemäß seiner testamentarischen Verfügung künftig in eine Familienstiftung überführt werden soll“, berichtete das Unternehmen am 25. März.

Julia Thiele-Schürhoff, die Tochter von Heinz Hermann Thiele und auch Mitglied des Aufsichtsrats von Knorr-Bremse, dem Hauptunternehmen der Familie, wird ihre Beteiligung an den Holdinggesellschaften unverändert fortführen. Die Familie Thiele hält damit – wie bislang – 50,09% der Aktien an Vossloh. Formal werden die Holding-Anteile des Verstorbenen zunächst von der Ehefrau Nadia Thiele gehalten und kraft Testaments in die Familienstiftung überführt.

Die Errichtung der Stiftung soll bis zum Ende dieses Jahres abgeschlossen sein und durch den Testamentsvollstrecker und langjährigen Vertrauten von Heinz Hermann Thiele, den Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Robin Brühmüller, umgesetzt werden, heißt es weiter bei Vossloh. Bis dahin stünden die Anteile unter Testamentsvollstreckung. Brühmüller:
„Heinz Hermann Thieles Wunsch war es, sein Lebenswerk langfristig abzusichern. Genau das wird durch die Gründung der Familienstiftung umgesetzt.“

Ebenfalls Bezug zu Deutschland hat die Nachricht, der reichste Tscheche Petr Kellner starb überraschend an den Folgen eines Unfalls in Alaska. Kellner ist seit 2017 Eigentümer des tschechischen Bahnproduzenten Škoda. Um die Genehmigung der EU-Kommission für die Fusion mit Bombardier zu bekommen, musste sich der französische Bahnproduzent Alstom bereiterklären, sein französisches Werk Reichshoffen sowie die Hennigsdorfer Produktionslinie von Bombardier für den Talent 3-Triebzug zu verkaufen. Alstom führt derzeit nach eigenem Bekunden “privilegierte Verhandlungen” mit Škoda.

Ein Erfolg dieser Verhandlungen hätte bedeuten können, dass diese Aktiva später in den Besitz des weltgrößten Bahnherstellers CRRC in China kommen. Petr Kellner hatte sich in den letzten Jahren zur Förderung seiner eigenen China-Handelsbeziehungen für das Land ins Zeug gelegt, geriet darüber in seiner Heimat als China-Lobbyist unter Beschuss und wurde durch den Onlinedienst a2larm.cz sogar als “Staatsfeind” bezeichnet (siehe bahn manager online vom 1. Februar 2021).

Kellner hatte Škoda erst gekauft, als CRRC sich aus Verkaufsverhandlungen zurückzog, nachdem das chinesische Staatsunternehmen an die tschechische Regierung von dort als unannehmbar angesehene Forderungen gestellt hatte. Deshalb war bei Kellners Übernahme von Škoda bereits gemutmaßt worden, er könne das Unternehmen nach einer gewissen Zeit selber an den chinesischen Konzern verkaufen. Ein zwischenzeitlicher Zukauf von Assets in Frankreich und Hennigsdorf hätte, so die Mutmaßungen, das Kaufinteresse in China nur erhöht.
Durch den Unfalltod des Unternehmers scheint es jetzt unwahrscheinlich, dass die Verkaufsspekulationen nach China weiter Bestand haben. Kellner hat seine Firmen in dem Investmentfonds PPF gebündelt. Es ist nicht bekannt, dass die dortigen Manager eigenständige wirtschaftspolitische Ambitionen hätten.

Deshalb dürfte sein plötzlicher Tod auch für sein bereits bestehendes Engagement in Deutschland keine unmittelbaren Folgen haben. Hier ist Kellners PPF zu 50 Prozent Anteilseigner am Unternehmen LEAG mit Sitz in Cottbus, das 2016 gegründet wurde, um den von Vattenfall übernommenen Braunkohletagebau und Stromkraftwerke in der Lausitz fortzuführen. Die LEAG ist derzeit der zweitgrößte Stromerzeuger in Deutschland. (red/hfs)