» DIE PERSON HINTER DEN ZEILEN «

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Written on 10.05.2018
Dennis Peizert


IN DEN KOMMENDEN AUSGABEN STELLEN WIR IHNEN AN DIESER STELLE BESONDERE FRAUEN AUS DER BRANCHE VOR. EIN GESPRÄCH DER WOMEN IN MOBILITY BERLIN ÜBER KARRIERE, EMPOWERMENT UND PS IM BLUT.

Ein lauer Abend im Mai. Gemeinsam sitzen wir auf einem Balkon in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin und blicken auf den Bahntower. Ich binde ein kupferfarbenes Bändchen an das Handgelenk von Ellen Schramke, Pressesprecherin von Siemens Mobility.

Julia Holze (JH): Ellen, Du sorgst dafür, dass unser Arbeitgeber regelmäßig positiv in den Medien erscheint und wirst dabei selten selbst gesehen. Wir kennen uns nun seit etwas über sieben Jahren, und doch muss ich fragen: Was ist Deine Aufgabe? 

Ellen Schramke (ES) – lacht: Meine Aufgabe ist es, die Statements von anderen in den Medien zu platzieren. Ich sehe mich als Übersetzerin zwischen Ingenieuren, CEOs, CFOs und Passagieren, Betreibern, Aufgabenträgern sowie Analysten. Dabei entsteht oft kein direkter Kontakt mit den Lesern, sondern dies erfolgt mittelbar über die verschiedenen Online- und Offline-Medien.

JH: Eine verantwortungsvolle Aufgabe, die viel Einfühlungsvermögen, sehr breites Wissen und eine schnelle Auffassungsgabe erfordert. Wie hast Du den Weg in die Bahnbranche gefunden?

ES: Mit 15 Jahren habe ich als freie Redakteurin bei einer Lokalzeitung angefangen. Durch die Übernahme von Wochenenddiensten und Urlaubsvertretungen konnte
ich mir mein Studium finanzieren. Mit dem Abschluss hatte ich das Gefühl, dass ich etwas Neues lernen wollte, und habe die Seite gewechselt. Ein Traum wurde wahr: Ich fand eine Anstellung in der Automobilbranche.

JH: In der Mobilitätsbranche zu arbeiten war ein Kindheitstraum?

ES : Ja, tatsächlich. Ich war als Teenager ein totaler Fan des mehrfachen Formel Eins-Weltmeisters Ayrton Senna. Dieser Sport war für uns nach der Wende völlig neu, und ich war fasziniert von der Geschwindigkeit und dem Mut der Fahrer. Mit der Zeit wuchs der Wunsch, mich weiterzuentwickeln. Es rollt immer noch mit mehr als 300 km/h – nur sind es heute Züge und die dazugehörige Infrastruktur.

JH: Was ist heute der Treiber, der Dich fasziniert?

ES: Mit meinem Umzug nach Berlin habe ich festgestellt, dass ich kein eigenes Auto mehr benötige. Es gibt einen sehr gut ausgebauten öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie zahlreiche andere Mobilitätsangebote wie Car und Bike Sharing. Ich finde es spannend zu entdecken, wie sich die Mobilität der Zukunft entwickelt.

JH: Hast Du eine persönliche Heldin in der Mobilitätsbranche?

ES – überlegt: Heldin ist für mich ein unwirklicher Begriff, denn wer hat schon Superkräfte. Vor wem ich den Hut ziehe, ist Tina Müller. Als Chief Marketing Officer bei Opel hat sie mit der Kampagne „Umparken im Kopf“ aus einem angestaubten Automobilhersteller eine emotional positiv belegte Marke gemacht. Dabei ist die externe Kommunikation das eine. Intern alle Mitarbeiter und Führungskräfte von dem Imagewandel zu überzeugen, heißt auch einen Kulturwandel einzuleiten. Dazu muss man authentisch sein. Und das ist es, was ich an ihr bewundere: Sie ist Frau geblieben und setzt ihre Interessen durch. Oftmals begegnet es mir, dass Frauen, die Karriere machen, männliche Verhaltensweisen adaptieren. Ich denke, wir Frauen sollten unseren Weg gehen, ohne uns verstellen zu müssen. Erst dann haben wir echte Gleichberechtigung erreicht.

JH: Das sehe ich genauso wie Du. Was würdest Du denn zum Beispiel einer jungen Volontärin mit auf den Weg geben für ihre Karriere in der Mobilitätsbranche?

ES: Das Wichtigste ist meines Erachtens, dass man Passion für das Thema Mobilität entwickelt und sich damit identifizieren kann. Letztlich gilt das für jeden: Neugierig bleiben und nie aufhören, Fragen zu stellen. Ich lerne jeden Tag etwas dazu. Nicht zu vergessen: Zuhören. Zum Beispiel kann ich mich noch genau daran erinnern, wie Du mir vor einigen Jahren den Unterschied zwischen fixed und moving Block erklärt hast. Die Erläuterung nutze ich noch heute und gebe sie selbst weiter.

JH: Wie wichtig ist es Deiner Meinung nach, einen Mentor zu haben?

ES: Vielleicht ist genau das der Punkt, den ich mit Zuhören meine. Es nimmt sich jemand die Zeit, Dir alles zu erklären. Diese Person nimmt Dich an die Hand. Ist in gewisser Weise ein Mentor, ohne dass Du diesen als solchen erkennst. Viele Unternehmen bieten Mentoring Programme an. Dabei wird der Mentor dem Mentee klar benannt, und es gibt einen relativ geregelten Ablauf, wie oft und wann man miteinander spricht. Das ist sicherlich hilfreich. Zusätzlich dazu gibt es dann noch die stillen Unterstützer einer Karriere, indem sie auf fachlicher Ebene unterstützen, das eigene Wissen zu erweitern.

JH: Das ist eine tolle Überleitung. An wen gibst Du das Bändchen der WiM weiter?

ES: Gute Frage. Es gibt einige tolle Frauen, denen ich es geben möchte. Ich entscheide mich für Brigitte Baumann. Sie ist Depot- Chefin für Hochgeschwindigkeitszüge in St. Petersburg und hat die Mammutaufgabe, dass die Züge zu 99,9 Prozent zuverlässig fahren. Egal bei welchem Wetter. 

JH: Das ist eine echte Herausforderung. Herzlichen Dank für das Gespräch!