» INNOVATIONEN KANN MAN NICHT ANORDNEN «

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Written on 21.09.2018
Dennis Peizert


200.000 MITARBEITERINNEN UND MITARBEITER SIND HIERZULANDE FÜR DIE DEUTSCHE BAHN TÄTIG. ETWA EIN DRITTEL DAVON WURDEN IN DEN VERGANGENEN FÜNF JAHREN NEU EINGESTELLT. ICH BIN EINE DAVON.

Über das Netzwerk Women in Mobility lerne ich nun die Frau kennen, die mit ihrem Team von etwa 500 Kolleginnen und Kollegen erfolgreich für dieses Hochleistungsrecruiting verantwortlich ist: Kerstin Wagner, Leiterin Personalgewinnung. Sie ist eine der erfolgreichen Frauen in der Mobilitätsbranche, mit denen die Women in Mobility gesprochen hat und Ihnen gemeinsam mit dem bahn manager in dieser Interviewserie vorstellt.

Martina Löbe: Wie haben Sie Ihren Weg in die Bahnbranche gefunden? 

Kerstin Wagner (KW): Wie so viele über einige Umwege. Seit über fünf Jahren bin ich nun Teil dieser hochdynamischen Branche. Mobilität betrifft uns ja alle, sie ist elementarer Bestandteil des täglichen Lebens, wird sogar immer wichtiger. Daraus ergeben sich ja auch gute Botschaften für die Personalgewinnung: Arbeit ist wirklich genug da, auch in Zukunft. Und es gibt sehr viele spannende Berufe. Bei der Bahn kann man eben im wahrsten Sinne des Wortes etwas bewegen.

ML: Ich kann für mich sagen, dass so manche Tür, die sich in meinem Berufsleben aufgetan hat, unerwartet war. Wie ist es bei Ihnen?

KW: Als junge Frau wollte ich immer etwas mit Sport machen, das war meine Welt. Sprachen und Ausland haben mich ebenfalls fasziniert. Ich bin dann eher durch Zufall zur BWL gekommen und habe nach dem Studium Feuer gefangen für HR. Um zu wissen, wo die eigene Leidenschaft und auch Stärke liegt, dazu braucht es erst einmal die Neugier, sich Verschiedenes anzuschauen. Dann Mentoren zu haben und sich ein gutes Netzwerk aufzubauen, ist aus meiner Sicht ebenso bedeutend, um seinen beruflichen Weg erfolgreich zu gehen.

ML: Ich selbst arbeite aus vollem Herzen für die Eisenbahn. Was würden Sie jemandem sagen, den Sie erst noch überzeugen müssen: Warum in der Eisenbahnbranche anheuern?

KW: Logistik und Mobilität, das ist eine der Zukunftsbranchen! Wir befördern als Deutsche Bahn heute schon deutschlandweit sage und schreibe 7,4 Millionen Fahrgäste in Bahnen und Bussen – am Tag! Und ohne die Bahn sehe ich auch nicht, wie wir die ökologische Verkehrswende schaffen wollen. Es gibt hier so viele Möglichkeiten, mitzugestalten und sich einzubringen. Dass ist auch der Ansatz unserer Arbeitgeberkampagne „Willkommen, Du passt zu uns.“: Wenn Du, liebe Bewerberin, lieber Bewerber, für die Bahn brennst und sie mit uns gemeinsam besser machen willst, leistungsfähiger und sympathischer, dann komm zu uns! Lasst uns gemeinsam die Qualität verbessern und etwas Großartiges aufbauen.

ML: Ich habe in einem Ihrer Interviews gelesen, es gäbe fast keinen Job, den man bei der Deutschen Bahn nicht finden könne. Welche Jobs würde man im ersten Moment nicht erwarten?

KW: Wir beschäftigen Fahrradmechaniker, Köche oder Förster, haben aber auch UXDesigner oder New Digital Business-Trainees. Und wir haben zum Beispiel Sicherheitskräfte mit Tarnjacken im Einsatz, die an unseren Strecken Kabeldiebstähle verhindern sollen. Insgesamt gibt es bei der DB rund 500 verschiedene Berufe! Besonders gefragt sind aber Berufe wie Lokführer, Fahrdienstleiter, Elektroniker, Ingenieure, Leit- und Sicherungstechniker, Servicekräfte, Gleisbauer oder IT-Experten. Da ist die Masse der Einstellungen.

ML: Ich habe im Alter von 30 meine berufliche Laufbahn für ein Jahr unterbrochen, um mit dem Fahrrad auf Reisen zu gehen: Eine bedeutende und prägende Erfahrung in meinem Leben. Welchen Stellenwert hat das Reisen und Arbeiten im Ausland in Ihrem Leben?

KW: Ich bin bereits im Studium vom „Auslands-Virus“ angesteckt worden. Ich habe insgesamt fast fünf Jahre im Ausland studiert und gearbeitet. Zudem habe ich in zahlreichen internationalen Projekten gearbeitet und konnte dabei viele Länder kennenlernen. Sowohl für die persönliche Entwicklung als auch die eigene Karriere kann ich sagen, dass der Blick über den kulturellen und fachlichen Tellerrand mich immer weitergebracht hat.

ML: Welche Kernprinzipien haben Sie in Ihrer Arbeit?

KW: Ich versuche mich mal an einem Dreiklang: Erstens Begeisterungsfähigkeit für die eigenen Themen. Zweitens Veränderung als etwas Positives und Notwendiges begreifen. Und drittens Freiraum geben. Daraus entsteht im besten Fall: Innovation! Sie kann man nicht anordnen, dafür braucht es zunächst die Freiheit, Dinge anders zu denken, und dann die Unterstützung, Dinge auch anders zu tun. Wenn mein Team und ich innovativ sind, dann bin ich zufrieden. Da denke ich zum Beispiel an die Einführung von VR-Brillen im Recruiting oder das größte Bewerbungsgespräch Deutschlands, bei dem wir im letzten Jahr in einer Woche 1.000 neue Leute eingestellt haben.

ML: Was bedeutet es für Sie, Verantwortung zu haben?

KW: Wir haben allein dieses Jahr rund 19.000 Stellen zu besetzen. Vergangenes Jahr waren es ähnlich viele. Daraus entsteht natürlich eine große Verantwortung für das Unternehmen. Das ist Herausforderung und Ansporn zugleich. Wie können wir noch besser werden? Darum muss es jeden Tag gehen. Klar ist: HR ist kein Beiwerk, sondern geschäftskritischer Teil des Ganzen.

ML: Wie meistern Sie den Spagat zwischen dieser beruflichen Verantwortung und dem privaten Teil Ihres Lebens?

KW: Ich liebe meinen Beruf und meine Aufgaben. Daraus schöpfe ich viel Kraft. Die Grenze von Beruflichem und Privaten verläuft für mich daher eher fließend. Natürlich ist es wichtig, Zeit für Familie und Freunde zu haben. Im Winter Skifahren zu gehen, das ist ein Muss in jedem Jahr. Und abends auf meiner Slackline zu stehen.

ML: Hat Sie jemand aus der Branche in den vergangenen Jahren nachhaltig durch eine Innovation, bedeutende Entscheidung oder Karriereweg beeindruckt?

KW: Für mich sind Menschen spannend, die neugierig sind, die gestalten und etwas Neues schaffen. Besonders was sich in den Bereichen Technologie, Virtual-/Augmented Reality und künstliche Intelligenz tut, fasziniert mich. An einzelnen Köpfen will ich das nicht festmachen.

ML: Sie hatten Mentoren, die Sie in Ihrem Leben begleitet haben. Wie wichtig ist es für junge Menschen, die ins Berufsleben einsteigen wollen, sich Mentoren zu suchen?

KW: Es geht darum, den eigenen Weg zu gehen. Aber dabei darf und soll man sich ruhig Unterstützung und Rat holen. Nach meiner Erfahrung ist es von Vorteil, Mentoren zu haben, die anders sind als man selbst: andere Sichtweisen, andere Fachgebiete oder andere Nationalitäten zum Beispiel. In unterschiedlichen Berufs- und Lebensphasen mit sich ändernden Aufgaben wechseln oft auch Gesprächspartner und Mentoren. Es ist daher wichtig, sich ein Netzwerk aufzubauen, es zu pflegen und zu erweitern.

ML: An wen geben Sie das Women in Mobility-Armband weiter? Weshalb begeistert Sie diese Frau?

KW: An Agnes Bernot. Sie ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man mit Leidenschaft, Neugier und Mut neue Projekte angeht. Wir kennen uns schon lange und ihre Power ist immer wieder bewundernswert. Sie vereint eine starke Kombination: Interesse an Personalthemen und an Technik. Sie leitet das geschäftsfeldübergreifende Konzernprogramm WIFI@DB, mit dem Ziel, durchgängiges Surfen für unsere Reisenden zu ermöglichen.

ML: Ich danke Ihnen.